Wieso tides?

Wasser war für mich schon immer ein Raum, in dem ich atmen kann, wenn in mir alles zu laut wird. Und Gezeiten sind mehr als nur ein Naturphänomen des Meeres, sie sind ein Sinnbild für das Leben selbst, für dieses ständige Kommen und Gehen, das wir alle in uns tragen. Manchmal stagniert das Leben, zieht sich zurück oder liegt still wie eine Wasserfläche ohne Wind. In dieser Stille entsteht nicht selten eine Sehnsucht nach mehr, nach Bewegung, nach etwas, das uns wieder trägt. Und dann wiederum kann uns das Leben manchmal fluten, uns überrollen mit allem auf einmal, uns überfordern, bis wir kaum wissen, wo oben und unten ist. Doch so wie das Meer niemals stillsteht, so verlässlich Ebbe und Flut einander abwechseln, so gibt es auch in unserem Leben Konstanten, die bleiben, ganz gleich, wie hoch die Wellen schlagen. Für mich sind das die Menschen, die ich liebe, jene, die da sind, egal ob gerade Flut ist oder Ebbe, die mit mir schweigen können oder mit mir tanzen, je nachdem, was der Moment braucht. Und vielleicht ist genau das die Schönheit am Meer: dass es eine Tiefe in sich trägt, die wir nie ganz ergründen können, und trotzdem, oder gerade deswegen, wirkt es so beruhigend auf uns. Als wüssten wir instinktiv, dass nicht alles an der Oberfläche sichtbar sein muss, um echt und tragend zu sein. Genau dieses Gefühl möchte ich hier einfangen. Ich möchte Bilder erschaffen, die nicht nur zeigen, was auf der Oberfläche zu sehen ist, sondern die dieses leise Auf und Ab in uns spiegeln, die Ebbe genauso wie die Flut, die Tiefe genauso wie die Ruhe, die daraus entstehen kann.